29.09.11 | Drei Fragen an Florian Treiß
Das mobile Internet – eher Chance als Bedrohung
Florian Treiß kennt sich mit Apps aus. Bild: Florian Treiß, Bearbeitung: Antje Gothe
Das Taxi auf Knopfdruck bestellen, in Sekunden das beste Restaurant finden oder Klavier spielen – alles das machen so genannte Applications, kurz Apps, heutzutage möglich. Was dabei jedoch häufig vergessen wird, sind die Unmengen an persönlichen Daten, die man dafür bewusst oder unbewusst preisgibt. So können individuelle Profile für jeden Nutzer erstellt werden. Der stellvertretende Chefredakteur des Medienfachdienstes turi2.de und Gründer von mobilbranche.de, Florian Treiß, diskutiert beim 15. Medienforum Mittweida in der Runde „APPSolutly online“. Im Interview spricht er vorab über die Entwicklung, Gefahren und Zukunft von Apps.

Die Entwicklung des mobilen Internets macht aus den Nutzern immer mehr einen gläsernen Menschen. Wie lange machen die Verbraucher das mit?

Man muss nicht unbedingt seine persönlichen Daten preisgeben, nur weil es jetzt das mobile Internet gibt. Allerdings sollten die Einstellungen des Smartphones oder Tablets wie auch die Einstellungen von Apps genau überprüft werden. Die werden oft von US-Konzernen stammen, die laxeren Umgang mit Daten pflegen, als es in Deutschland üblich ist.

Wer immer auf der Suche nach Sonderangeboten ist, kann seine persönlichen Daten auch freiwillig an bestimmte Anbieter preisgeben. Ein fußballbegeisterter Mann wird beispielsweise dann nicht mehr durch Sonderangebote für Waxing, Bauchtanz etc. genervt, sondern bekommt Reklame, die ihn interessiert.

Welche Gefahren birgt das mobile Internet? Viele Smartphones und Tablets sollen anfälliger für Viren sein.

Die gerade medial heraufbeschworene Virengefahr ist sicher nur ein Übergangsphänomen. Alle großen Virenschutzanbieter arbeiten an Lösungen oder bieten sie bereits an. Lassen Sie uns doch lieber über die Chancen des Mobile Web sprechen. Das mobile Internet wird schon bald stärker genutzt werden als das stationäre - gerade in Entwicklungsländern. Hier wird den Menschen der Internetzugang überhaupt erst durch das mobile Internet ermöglicht, denn oft fehlt die Infrastruktur für die Internetnutzung per PC. Mobiltelefone machen in Kenia bereits Banken überflüssig, in Indien wird über das Mobile Web Diabetes-Vorsorge betrieben - und das sind nur die Anfänge.

Was erwarten Sie vom Medienforum 2011 in Mittweida?

Vom Medienforum Mittweida habe ich schon mehrmals gehört, in den vergangenen Jahren aber persönlich leider keinen Besuch geschafft. Was ich erwarte, ist ein von engagierten Studenten organisierter großer Kongress, bei dem es hoffentlich viele spannende Diskussionen zum digitalen Medienwandel geben wird.
Datum: 29.09.11 08:00 Uhr | Autor: Jan Schulze | Themen: Referent
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